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Vinyl Cleaner von Audiodesksysteme Gläss: Waschmaschine für Schallplatten

geschrieben am 25. Mai 2010 um 15:03 von Andy Ilmberger | 13 Kommentare

Bei einem Streifzug durch die Audio-Messe High-End in München kristallisierte sich ein längst tot geglaubtes Medium als neuer Trend heraus: die Vinyl-Schallplatte!? Auf der High End war der mattschwarze Tonträger nie ganz weg, aber nun? Wohin man blickte, zierten schicke High-End-Plattenspieler zu vier- bis fünfstelligen Euro-Beträgen die Hallen und drehten für die Besucher ihre schönsten Pirouetten.

Vinyl Cleaner

Dazu gesellten sich zahlreiche LP-Neuerscheinungen aktueller Künstler, die beim Ableben des Vinyls Mitte der 1980er noch gar nicht auf der Welt waren. Als kurioser Eindruck beim Messerundgang blieb, dass neue Geräte entweder Schallplatten wiedergeben oder MP3s streamen, die CD hingegen kümmert kaum einen High-Ender.Zwischen all den Plattenspieler-Fabrikanten formierte sich zusätzlich eine Hand voll Hersteller, die ebenfalls Vinyl zum Drehen bringen, nur dass der Tonarm zum Abtasten der Tonrillen fehlt. Erst bei näherer Betrachtung wird sichtbar, dass diese Modelle Schallplatten nicht abspielen, sondern abspülen. Kein Witz! Apparate so groß und teuer wie High-End-Plattenspieler spülen, reinigen und befreien das kostbare Vinyl von Staub, Fingerabdrucken, klebrigen Ablagerungen und statischen Aufladungen. Etliche Vinyl-Puristen empfehlen das "Abwaschen" einer Schallplatte aufgrund industrieller Produktionsspuren direkt nach dem Kauf sowie wenigstens bei jedem fünften Abspielen. Manche unterziehen ihre Klangscheiben sogar konsequent vor jeder Wiedergabe dieser Prozedur, da allein durch das hinein und wieder hinaus-gleiten der Schallplatte aus ihrer Hülle eine statische Aufladung entsteht, was wiederum den Musikgenuss mit störenden Knackgeräuschen trübt. Soweit der Trend – zugegebener Maßen ein recht dekadenter Trend...

Der vielleicht innovativste Anbieter einer solchen Schallplatten-Spülers ist das süddeutsche Unternehmen Audiodesksysteme Gläss aus Königsbronn. Denn dessen Maschine namens Vinyl Cleaner sieht zwar von allen am wenigsten wie ein Grammofon-Nachkomme aus, reinigt aber dafür die schwarze Tonkonserve am bedienerfreundlichsten. Der Musikfreund muss lediglich die nackte Schallplatte in den Schlitz der Waschanlage stecken und einen roten Knopf drücken. Damit startet der Waschvorgang, der das Vinyl für die nächsten fünf Minuten mit Ultraschall sowie einer speziellen Reinigungs-Flüssigkeit (geheime Rezeptur) und gegenläufig rotierenden Microfaser-Reinigungswalzen verwöhnt, damit selbst das tiefstsitzende Staubflunserl sanft aus den Rillen weicht. Nach diesem Abspül-Vorgang wird das gute Stück noch automatisch trocken geföhnt, damit es ohne Umwege vom Plattenspüler auf den Plattenspieler gelangen kann. Dermaßen porentief rein bringt die Scheibe unter dem Diamanten ihre wahre musikalische Seele zum Erklingen ... so zumindest sagen es die High-End-Enthusiasten.

Der amerikanische Traum spiegelt sich in den Worten „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ wieder. Reiner Gläss, dem Erfinder des Vinyl Cleaners, könnte vielleicht Ähnliches widerfahren. Nach fünfjähriger Entwicklungszeit für seine Scheibenwaschanlage kommt ihm der Schallplatten-Boom gerade recht und so hofft er auf eine Laufbahn quasi vom Plattenwäscher zum Millionär. Auf Kosten der Armen wäre sein Reichtum nicht begründet. Bei Gerätepreisen zwischen 1.800 und 2.500 Euro (je nach Gehäusematerial und Design) leisten sich wohl nur besser betuchte Menschen eine Waschmaschine für ihre musikalischen Schätze. Trotzdem, ein neuer Trend ist es allemal – wenn auch ein etwas dekadenter...

© Andy Ilmberger

P.S.: Die Geschichte der Schallplatte und zu allen anderen Tonträgern gibt es übrigens unter:
http://ilmberger.wordpress.com/2009/09/05/420-jahre-geschichte-von-tontragern-und-radio-vor-edisons-phonographen-bis-nach-apples-ipod-–-teil-1-von-1589-bis-1945/

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